Plenarvortragende

Für die 12. SOEGV-Tagung konnte die Tagungsleitung folgende Plenarvortragende gewinnen:

em. Prof. Dr. Neva Šlibar

Kurzes CV: Geb. 1949 in Triest; Schule und Studium in Wien, Ljubljana und Zagreb; seit 2000 ord. Prof. für moderne deutsche Literatur an der Philosophischen Fakultät der Universität Ljubljana und von 2004–2010 Vorstand der Abteilung für Germanistik; seit 2012 i. R.; 2002–2003 Dekanin der Philosophischen Fakultät. Sprach- und wissenschaftspolitisch in sieben EU-Projekten zur Mehrsprachigkeit tätig. Veröffentlichungen zur Gegenwartsliteratur (Aichinger, Bachmann, Veza Canetti, Handke, Lavant, Späth usw.), Literaturtheorie (lebensgeschichtliches Erzählen, Literaturmodelle, multilinguale Ästhetik), DaF-Literaturdidaktik (siebenfache Fremdheit der Literatur und Kompetenzmodell) und feministischen Literaturwissenschaft.

Neueste Buchveröffentlichungen: Rund um Literatur: der literarische Text, (Slovenske germanistične študije, 3). 1. Auflage. Ljubljana: Znanstvena založba Filozofske fakultete, 2009.
Ingeborg Bachmann weiter lesen und weiter schreiben, (Slovenske germanistične študije, 6). 1. Auflage. Ljubljana: Znanstvena založba Filozofske fakultete, 2010.
Wie didaktisiere ich einen literarischen Text? Neue Maturatexte und viele andere im DaF-Unterricht. Ljubljana: Znanstvena založba Filozofske fakultete, Center za pedagoško izobraževanje, 2011.

Abstrakt des Plenarvortrags: Von einstürzenden Bauten und visionären Entwürfen – Brücken als literarisches Motiv in raumtheoretischer Modellierung Als von Menschen geschaffene Bauwerke, die jedoch von landschaftlichen Gegebenheiten bedingt und in sie integriert sind, bedienen Brücken eine Reihe von Paradigmen, nicht nur dasjenige von Kultur und Natur, aus dem sie ihren reichen und oft widersprüchlichen Symbolgehalt herleiten. Der Beitrag versucht zum einen diesem komplexen Sachverhalt in literarischen Werken nachzugehen, wobei Ivo Andrićs mit dem Nobelpreis ausgezeichneter Roman „Die Brücke über die Drina“ als besonders gelungenes Referenzmodell dient. Zum anderen soll beleuchtet werden, wie Brücken in deutschsprachigen literarischen Texten von Schiller bis Stanišić, in ihren Funktionen konstruiert und dekonstruiert werden ebenso wie sie gängige Metaphorisierungen subvertieren. Versucht man, sie raumtheoretisch zu fassen, entspricht ihrer Einsatzvielfalt einer Reihe von Konzepten, ausgehend von der Ästhetik des Erhabenen, Georg Simmels hymnischem Lobpreis, über Vorstellungen eines Transit- und Zwischenraums vom Eigenen zum Fremden und anderer Sphären (z. B. Foucault, Augè, Sloterdijk) bis hin zu Bachelards Raumpoetik, Deleuze/Guattaris Begriffen des Glatten und Gekerbten sowie Lefèbvres triadisches Raumproduktionsmodell. Literaturwissenschaftlich und narratologisch bieten sich bereits ältere theoretische Zugänge an, etwa die Bachtins und Lotmans.



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Prof. Dr. Vedad Smailagić

Kurzes CV: Vedad Smailagić ist außerordentlicher Professor für germanistische Linguistik an der Universität Sarajevo. Seine Forschungsschwerpunkte sind Grammatik, Textgrammatik und Kulturlinguistik. Als Gastforscher und Gastdozent hielt er Vorträge und gab Kurse an vielen Universitäten in Deutschland, Spanien, Italien und Portugal. Er hat zwei Einführungen in Linguistik und Textlinguistik auf Bosnisch publiziert, und zahlreiche Aufsätze in deutschen Zeitschriften und Tagungsbänden. Kürzlich ist von ihm ein Tagungsband unter dem Titel Die Leistung der Philologie bei der Deutung der Kultur(en) beim Stauffenburgverlag erschienen. Vedad Smailagić ist aktueller Vorsitzender des Südosteuropäischen Germanistenverbandes.http://ff.unsa.ba/index.php/bs/oglasna-ploca-ger/379-curriculum-vitae-ger/6501-prof-dr-vedad-smailagic

Abstrakt des Plenarvortrags: Wie ticken die Deutschen? Sprachwissenschaftliche Rekonstruktion des kulturellen Hintergrunds der deutschen Sprachgemeinschaft In dem Vortrag geht es um den Einsatz der Sprachwissenschaft bei der Deutung der Kultur. Ich gehe von der Überzeugung aus, dass die Kommunikation innerhalb einer Sprachgemeinschaft immer nur als Ergebnis ihres kulturellen Hintergrunds zu interpretieren ist und unabhängig davon nicht betrachtet werden kann. Nun, wie ist dieser kulturelle Hintergrund der deutschen Sprachgemeinschaft? Wie können wir als Sprachwissenschaftler diesen Hintergrund rekonstruiere? Ich möchte im Vortrag zunächst die methodologische Grundlage für diese linguistische Aufgabe präsentieren und an ausgewählten Texten und Analysebeispielen praktische zeigen, wie Sprachwissenschaft hier agiert und zu welchen Ergebnissen wir kommen können.

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Prof. Dr. Annette Đurović, Universität Beograd, Serbien

Kurzes CV: Annette Đurović hat in Berlin an der Humboldt-Universität Slawistik (Russisch und Serbokroatisch) und Germanistik studiert, absolvierte dort ein Forschungsstudium und war dann als wissenschaftliche Assistentin angestellt. Die Promotion erfolgte ebenfalls an der HUB, die Dissertation hatte das Thema: Ansätze zur Begründung einer Übersetzungskritik literarischer Werke auf textlinguistischer Grundlage: Am Beispiel der Romane Seobe und Druga knjiga seba von Miloš Crnjanski. 2003–2007 war sie als ausländische Lektorin am Lehrstuhl für Germanistik der Philologischen Fakultät der Universität Belgrad tätig, 2007 wurde sie dann Dozentin, 2012 außerordentliche Professorin.  2016 wurde sie zur ordentlichen Professorin berufen. Seit 2015 ist sie Lehrstuhlleiterin der Germanistik, wo sie Translationswissenschaft und Deutsche Grammatik unterrichtet. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Translationswissenschaft und kontrastive Grammatik. CEEPUS-TRANS Gründungsmitglied (seit 2012) und Koordinatorin für Serbien.

Abstrakt des Plenarvortrags: Meine Bornholmer Brücke – ein persönlicher translationswissenschaftlicher Brückenschlag zwischen Ost und West, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Fährt man in Berlin die Bornholmer Straße im Prenzlauer Berg entlang, vorbei an der Schönhauser Allee, so gelangt man westwärts notwendigerweise zur Bornholmer Brücke – jahrzehntelang ein Tabu für Ostberliner, da sie die einst (und nun wieder) hochfrequente Bornholmer Straße unterbrach und einen der Grenzübergänge nach Westberlin beherbergte. Die Autorin dieses Beitrags wohnte jahrelang in ihrer ersten eigenen Wohnung in der Bornholmer Straße, wo man an der Berliner Mauer bei Neuschnee seinen eigenen Spuren folgen konnte, so leer war die breite, geräumige Straße mit ihren charmanten Bürgerhäusern. Nach der Wende kehrte auch das rege Leben in die Straße zurück – und man konnte die Bornholmer Brücke wieder überqueren, die Autorin tat dies erstmals in ihrem Leben 1989. Mit dieser symbolischen  Wieder-Inbetriebnahme der Brücke wurde auch der Weg geöffnet für neue Entwicklungen translationskultureller Natur: angefangen von der Verbindung der Prinzipien der Leipziger Schule mit Translationstheorien von Koller und Co., über die Gewichtung sprachmittlerischer Ausbildung (an der Humboldt- Universität oder der Universität Leipzig z. B. einerseits und Saarbrücken und Germersheim z. B. andererseits), bis hin zur Herausbildung einer gesamtdeutschen Translationskultur (was z. B. auch mit dem kollektiven Vergessen DDR-spezifischer Lexik und Bildung und Entwicklung neuer lexikalischer Einheiten einherging) – eine durchaus untersuchenswerte translationswissenschaftlich relevante Erscheinung. Im vorliegenden Beitrag sollen einige dieser Tendenzen anhand ausgewählter sprachlicher Beispiele dargestellt werden – als persönlicher Brückenschlag zwischen Ost und West, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

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Ao. Prof. Dr. Emina Avdić

Kurzes CV: Emina Avdić ist außerordentliche Professorin an der Philologischen Fakultät „Blaže Koneski“ der Universität „Hll. Kyrill und Method“ zu Skopje. An der Abteilung für deutsche Sprache und Literatur hält sie Vorlesungen und Seminare in Didaktik und Methodik des fremdsprachlichen Deutschunterrichts und an der Abteilung für Übersetzen und Dolmetschen ist sie für das Fach Translationswissenschaft zuständig. Den Magistertitel (Mag. sc.) erwarb sie 2002 an der Universität zu Skopje mit der Arbeit Literarische Texte im DaF-Unterricht und 2010 promovierte sie mit einer Dissertation zum Thema Der interkulturelle Ansatz im schulischen Unterricht des Deutschen als Fremdsprache und seine Umsetzung in der Republik Mazedonien zum Dr. sc. Ihre wissenschaftlichen Abhandlungen behandeln Themen zur Didaktik und Methodik des DaF-Unterrichts und der Translationswissenschaft im deutsch-mazedonischen Sprachen- und Kulturenpaar. Im außeruniversitären Bereich unterstützt sie das mazedonische Ministerium für Bildung und Wissenschaft bei der Curriculumsentwicklung, der Lehrwerksbegutachtung und der Konzipierung der zentralen Abiturprüfung. Sie ist Gründungs- und Vorstandsmitglied des SOEGV.

Abstrakt des Plenarvortrags: Die europäische Mehrsprachigkeit im Kontext des schulischen DaF-Unterrichts  in Südosteuropa
Die europäische Mehrsprachigkeit, vestanden als die Beherrschung mindestens zweier Sprachen neben der Muttersprache, spielt in den Bildungssystemen der südosteuropäischen Länder eine herausragende Rolle. Das Erlernen  zweier Fremdsprachen im schulischen Unterricht ist eine Tendenz, die sich in den letzten Jahren in Südosteuropa verstärkt hat und von der insbesondere das Deutsche als zweite Fremdsprache profitieren konnte. Ziel des Vortrag ist, die regionalen Gemeinsamkeiten des schulischen DaF-Unterrichts im Kontext der europäischen Mehrsprachigkeit in vier südosteuropäischen Ländern (Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Nordmazedonien und Serbien) zu analysieren Dabei sollen folgende den Mehrsprachigkeitserwerb fördernde und hemmende Stärken bzw. Schwächen identifiziert werden: bildungspolitische und schulische Rahmenbedingungen, Status des Faches im Fächerkanon, curriculare Vorgaben, Lehr- und Lernmaterialien u. a. Abschließend werden anhand der Gegebenheiten in den Sekundarstufen I und II in Nordmazedonien Perspektiven für die Umsetzung der europäischen Empfehlungen zum Erlernen zweier Fremdsprachen und des damit einhergehenden Erwerbs der Mehrsprachigkeit skizziert.